Wie ich das Schreiben zur Gewohnheit machte

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Ach, das Schreiben. Für mich ist es eine lebenslange Liebe und ein lebenslanger Kampf. Denn so sehr ich es auch genieße, neue Welten zu erträumen, gab es auch sehr lange Durststrecken in meinem Leben. In diesen Zeiten fühlte ich die Verwirklichung meines Traums, eines Tages Autorin zu sein, nahezu unmöglich an. Doch trotz aller hilfreicher Artikel, die im Netz herumschwirren, braucht es ein eigenes Rezept, ehe ich das Schreiben wieder in meinen Alltag integrieren konnte. Und weil ich glaube, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der verzweifelt auf der Suche nach dem Mojo ist – weil ihn die Lust verlassen hat, weil sie nicht weiß, wo sie anknüpfen soll – möchte hier die Dinge mit euch teilen, die meinen Erfolg begünstigt haben.

Wenn die Liebe zum Schreiben erlischt

Wie hat das eigentlich alles angefangen? Nun, früher war das Schreiben der beste Teil meines Tages. Ich konnte es kaum erwarten, nach der Schule endlich heimzukommen und all die Dinge zu Papier zu bringen, die sich tagsüber in meinem Kopf ereignet hatten. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es eine Zeit in meinem Leben geben könnte, in der ich nicht so voller Schreibdrang war. In mir gab es diese gewaltige Quelle, aus der ich jederzeit schöpfen konnte. Mehr als das, wenn ich es nicht tat, drohte die Quelle regelrecht überzulaufen. Das Schreiben war sozusagen meine Chance, überschüssige Energie loszuwerden.

Doch dann kam meine Ausbildung zur Texterin. Als ich 2010 nach Hamburg umzog, hatte ich zwar eine vage Vorstellung davon, welcher Berg an Arbeit sich da vor mir aufbaute, aber erst als ich mich an den Aufstieg machte, wurde mir das ganze Ausmaß klar. Ich arbeitete täglich 16 Stunden (und mehr) und musste lernen, mit meinen Kräften hauszuhalten. Ans Schreiben war da nicht zu denken und viele Jahre kam ich nicht wieder in die Spur. Ab einem gewissen Punkt war ich sogar bereit, das Schreiben ganz aufzugeben, weil sich die altbekannte Lust daran nicht einstellen wollte. Du kannst es halt nicht, redete ich mir ein. Vielleicht ist das Schreiben nicht für mich bestimmt. Überhaupt: Wen interessiert es schon, was ich zu sagen habe?

Wie ich das Feuer wieder entfachte

Erst seit letztem Jahr habe ich das Gefühl, dass es wieder rund läuft. Am Ende waren es allerdings nicht die großen Klassiker unter der Produktivitätstipps, die mich wieder zum Schreiben brachten. Vielmehr waren es die kleinen Erkenntnisse, die dafür gesorgt haben, dass ich wieder Fortschritte machte. Allen voran die Tatsache, dass ich etwas zu sagen habe, denn nur ich kann die Welt durch meine Augen sehen. Nur ich kann die Geschichten schreiben, die ich schreibe. Das macht sie einzigartig und damit wertvoll.

Gute Gedanken allein reichen aber nicht aus, denn was man braucht, es braucht Handlungen, Aktion. Am Ende muss man seinen Hintern in den Stuhl kriegen und einen Text schreiben. Damit mir das besser gelingt, habe ich vieles ausprobiert. Am Ende waren mir diese 5 Dinge, die mir geholfen haben, das Schreiben wieder zu einer Gewohnheit zu machen.

1. Schieb auf, was du kannst

Sie ist vielen Menschen gut bekannt: die Prokrastination. Dieser enorme Drang, stundenlang nichts oder etwas anderes zu tun, als das, was man sich eigentlich vorgenommen hat. In meinem Falle heißt das: Wann immer ich zwei Stunden Zeit am Tag hatte, fand man mich eher bei einem Grundreinigung meiner Küche, als bei der Arbeit an meinem Manuskript.

Es gab aber auch Zeiten, in denen ich mich lange und intensiv in meinem Text versenken konnte, ohne der Welt um mich herum große Beachtung zu schenken. Eines Tages merkte ich, dass diese Zeiten etwas gemeinsam hatten. Diese intensiven Schreibsessions wurden oft von Aufgaben ausgelöst, die ich gerade noch weniger gern machen wollte, als am Manuskript zu arbeiten. Das konnte das Bügeln der Wäsche, ein Anruf beim Zahnarzt oder auch der Wocheneinkauf sein.

Seitdem gibt es auf meiner To-Do-Liste fast immer etwas, dass ich gerne noch mehr als das Schreiben aufschieben möchte. Und was soll ich sagen, für mich funktioniert es. Natürlich lässt sich das nicht von heute auf morgen implementieren, aber es lohnt sich, die eigene Stimmung mal unter die Lupe zu nehmen und die Faktoren herauszufinden, die das Schreiben begünstigen und das Anfangen leichter machen.

2. Führe Buch über deine Arbeit

Fast jede*r Autor*in kennt diesen wunderbaren Tipp: Du musst jeden Tag schreiben, sonst wirst du nie fertig. Ich habe mit dieser Regel allerdings meine Probleme. Denn dank Brotjob, Familie, Freunden und weiteren Hobbies muss ich meine Zeit sehr gut aufteilen. Tägliches Schreiben ist da einfach unrealistisch. Was ich allerdings für machbar hielt, war regelmäßig zu schreiben.

Ich bastelte mir also einen Wandkalender und fing an die Tage einzukreisen, an denen ich etwas getan hatte – ja, auch Recherche, Blog-Beiträge, das Bauen von Grafiken oder Notizen zum Weltenbau zählten dazu. Im Januar arbeitete ich dank dieser »Buchführung« beinahe täglich an meinem Roman und auch als im Juni die Luft raus war, bekam ich immerhin eine handvoll produktiver Tage zusammen.

Ich habe dadurch weniger Stress, weil ich mich nicht an feste Vorgaben gebunden fühle. Außerdem war es schön zu sehen, wie sich die umkreisten Tage nach und nach sammelten. Ich sah nach einer Weile, was ich bereits in den Roman investiert hatte und war stolz auf meine Leistung. Und das hat mich mehr motiviert als auf irgendeine Muse zu warten.

3. Mach dich angreifbar

Ach ja, die Sache mit dem sozialen Druck. Ich bin wohl nicht die Erste, die sich zu motivieren versucht hat, in dem sie jedem von einem Projekt erzählte, nur um es dann doch nicht durchzuziehen. Hauptsächlich wohl, weil ich auf eine Art Druck von außen gewartet habe, der nie kam. Vielleicht waren es aber auch einfach die falschen Leute, denen ich von meinem Vorhaben erzählt habe.

Zum Glück gibt es Twitter. Hier teilen viele Schreiberlinge ihre Erlebnisse unter dem Hashtag #Autorenleben. Weil ich an eben diesem teilnehmen wollte, machte ich es mir zur Aufgabe, den Hashtag in meinen Twitter-Alltag zu integrieren. Wie sich das auf mein Schreiben auswirkt? Nun, ich schreibe öfter, denn sonst hätte ich ja nichts aus dem #Autorenleben zu berichten! Der positive Nebeneffekt: Ich nehme mein Schreiben sehr viel ernster. Es ist nicht nur eine Spielerei, sondern etwas, woran ich ernsthaft und mit viel Gewissen arbeite. Es ist wirklich und wahrhaft ein Teil meines Lebens.

4. Schreibe richtig mies

Nichts motiviert so sehr wie ein abgeschlossener Text. Ja, auch wenn er mies ist. Gerade dann ist es besonders hilfreich. Denn wenn eine Idee in deinem Kopf steckt und dich sonst für alles blockiert, muss sie raus. Dann ist der Weg frei für etwas Neues – und oft auch für etwas Besseres.

Mir ging es mit »Lost City Boys« so. Ich steckte alles Negative, das in mir schlummerte, in diesem Text. Als ich fertig war, war ich nicht nur von schlechten Gefühlen aller Art befreit, es kam auch endlich eine Geschichte zum Vorschein, die mich begeisterte und mir seither jeden Tag Freude gibt.

Dass ich trotz aller Widrigkeiten geschafft habe, diese Geschichte fertig zu stellen, hat mich enorm motiviert und auch mein Vertrauen in meine Fähigkeit zu Schreiben gestärkt. Zwar wird »Lost City Boys« nie die liebste meiner Geschichten werden, doch durch die intensive Arbeit ist es wohl das Werk, bei dem ich das Schreiben erst so richtig erlernt habe. Deswegen: Lass dich nicht von einer schlechten Idee oder einer miesen Exekution verunsichern. Sie sind eine großartige Gelegenheit zu lernen und herauszufinden, was man wirklich kann und mag.

Last, but not least:

5. Such dir Verbündete

Eigentlich auch ein klassischer Schreibtipp, aber zur Abwechslung einer, den ich zu schätzen gelernt habe. Verbündete – vor allem andere Autor*innen – gaben mir oftmals neuen Mut. Indem sie ihre Höhen und Tiefen mit mir teilen, wusste ich, dass ich in meinem Krieg der Worte nicht alleine war. Im Gegenteil, meine Gefühle waren den meisten bestens bekannt und das gab mir ein Stück Gelassenheit zurück. Eskalation abgewendet.

Verbündete finden man viele, z. B. bei der Schreibnacht, den Litcamps, dem National Novel Writing Month oder auf Twitter. Man muss vielleicht nur ein wenig ausprobieren, welche Form der Kommunikation einem liegt. Ich bin zum Beispiel kein Forumsmensch, bin aber sehr gern auf Twitter unterwegs und besuche Treffen, Buchmessen und demnächst das Hamburger Litcamp. Also keine falsche Scheu. Teile deine Erlebnisse mit anderen Autor*innen. Sie kennen und verstehen dich mehr als du ahnst.

Ohne es zu versuchen, haben mir diese Schritte geholfen, das Schreiben wieder zu einer Gewohnheit zu machen, ohne mich zu großem Druck auszusetzen. In dem ich meinen Fokus auf die eine oder andere Sache lenkte, gelang es mir sogar, Durststrecken zu überstehen und nach ein paar Wochen ohne Schreiben wieder in mein aktuelles Projekt hineinzufinden.

Aber wie sieht es bei euch aus? Erzählt gern von euren Erfahrungen in den Kommentaren. Ich bin gespannt, was ihr zu berichten habt. ^^


Bildquelle: Hello I’m Nik via Unsplash.com

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