My dear Friends: eine Liebeserklärung

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Ach, Valentinstag. Wir beide haben uns ja noch nie verstanden. Bist du nur schnöder Kommerz oder Ausdruck meines tiefen Sehnens? Fakt ist: Wieder geht ein Jahr vorbei und niemand überschüttet mich mit Rosen. Macht aber nichts, denn zum Glück gibt es mehr als die eine Liebe. Und deswegen schreibe ich heute einen Liebesbrief an die Menschen, die mich annehmen wie ich bin und mir das Gefühl geben geliebt zu werden.

»Meine geliebten Freunde,

wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht genau, ob und womit ich euch verdient habe. Es gibt so viele Tage, an denen ich mich selbst kaum ertragen kann, dass es für mich unerklärlich ist, wie ihr es mit mir aushaltet. Wann immer ich einen meiner Höhenflüge bekomme und ohne jede Bodenhaftung durch die Welt geisterte, ist einer von euch da und holt mich wieder zurück auf den Teppich. Ihr seid das kleine gestreifte Erdungskabel an der Lüsterklemme meines Lebens.

Jeder von euch ist so einzigartig wie die Geschichten, die ich mit euch verbinde. Oft war es der Zufall, der mich mit euch bekannt machte. Eine Freundin saß beim Geburtstag einer gemeinsamen Bekannten da und schien auf mich gewartet zu haben, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen hatten. Am Ende des Abends musste sie mich nach hause bringen, weil ich nicht mehr stehen konnte. Wir waren damals 15 Jahre alt – und auch 17 Jahre später sind wir immer noch eng verbunden.

Eine andere saß zufällig im Seminar der Japanologie neben mir. Anfangs verband uns die gemeinsame Liebe zu Anime und Manga und wir fingen an, gemeinsam zu lernen. Wobei das Lernen sehr bald durch Quatschen ersetzt wurde. Am Ende lebten wir zwei Jahre zusammen und knüpften ein Band, dass bis heute hält. In der schlimmsten Zeit meines Lebens, Anfang 20, hat sie gewagt, mit mir in einer WG zu wohnen und ihr Leben mit mir zu teilen.

Mit anderen Freunden tanzte ich in einer Showgruppe. Auf unseren Touren durch ganz Deutschland erlebten wir so intensive Wochenenden, wie ich sie danach nie wieder hatte. Wir verbrachten so viel Zeit miteinander, dass sich jedes Treffen nach Monaten der Funkstille anfühlt, als wären wir nie getrennt gewesen. Und eine Freundin lernte ich beim Speeddating kennen. Nicht also potentielle Partnerin, sondern als eine andere Frau, die wie ich auf der Suche war. Zwar haben wir beide an diesem Abend nicht die große Liebe gefunden, aber immerhin einander. 

Aber das waren natürlich noch nicht alle. Da sind auch die Kollegen, die mit der Zeit zu Freunden wurden. Die Mentoren, die mich förderten und an mich glaubten, als ich es selbst nicht konnte. Und nicht zuletzt meine Geek-Gefährten, mit denen ich immer in tiefe Diskussionen abtauchen und mich ganz wie mich selbst fühlen kann.

Ihr alle seid da – im erdnahen Orbit – und gebt mir das Gefühl, nie allein zu sein. Wenn ich mich wieder am Rande des Wahnsinns bewegte, geht ihr mit mir dort hin und holt mich wieder zurück. Ihr verzeiht mir, wenn ich wieder seit einer Woche meine WhatsApp-Nachrichten nicht beantwortet habe. Ihr regt euch mit mir auf und ermutigt mich in meinen Träumen. Ihr ertragt meine Kapriolen und gebt mir manchmal den Handkantenschlag, den ich brauche, um wieder klar denken zu können. Dafür bin ich euch unendlich dankbar und möchte keinen von euch missen.

Deswegen will ich heute in der Öffentlichkeit des Internets sagen: Ich liebe euch. Echt jetzt. Ihr seid der Hammer. ❤«

Frohen Valentinstag
Katharina

P.S.: Allen, die sich am Valentinstag (und an jedem anderen Tag) einsam fühlen, möchte ich auch noch ein paar Worte da lassen. Ich weiß, wie ihr euch fühlt. Mir ging es viele Jahre ganz genauso. Deswegen möchte ich euch Hoffnung geben. Ihr seid nicht allein, auch wenn euch euer Gefühl etwas anderes sagt. Versucht einfach, euch mit den Augen eurer Freunde zu sehen. Ich bin mir sicher, ihr werdet feststellen, wie viel Liebe in euch und eurem Leben ist, auch wenn ihr gerade »niemanden habt«. Gebt nicht auf. Lots of love <3


Bildquelle: Damon Lam (via Unsplash.com)

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