Kopf, Körper und Kalender: ein Update aus dem Leben

18/40

Hier kommt sie: die Zwischenmeldung aus der Tauchstation. Denn während ich in meinem Kopf immer wieder bei diesem Blog und meinen Buchprojekten bin, sieht meine Alltagsgestaltung momentan doch etwas anders aus. Hier also ein überfälliges Update aus meinem Leben und wie es demnächst weitergeht.

In letzter Zeit scheint sich alles gegen mich verschworen zu haben. Nehme ich mir vor, mich am Abend dem Schnitt der neuen Folge von Hell Yeah Hell No widmen, kracht ein Projekt in der Agentur dazwischen. Mache ich Pläne für das nächste Kapitel in der »Chronik der Herzlosen«, erinnert mich mein Kalender an eine Verabredung zum Abendessen oder einen Arzttermin. Täglich ploppen neue Probleme auf – aber alles kein Problem. Ich krieg das hin. Ich bin eine kreative Ein-Frau-Armee, die Beyoncé alle Ehre macht.

In Zeiten wie diesen (die trotz aller To-Do-Listen und Gewohnheitstracker mit Behaarlichkeit wiederkehren) muss ich mehr denn je darauf achten, mit meinen Ressourcen hauszuhalten. Das wäre alles nur sehr viel leichter, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich immer etwas vernachlässige. Oder anders gesagt, dass es okay ist, dem eigenen Traum nicht jeden Tag auf der Spur zu sein, wenn der eigene Körper nach einer guten Portion Schlaf verlangt.

Kostet die Rush Hour des Lebens eigentlich Maut-Gebühren?

Momentan trianguliert mein Leben zwischen den Grenzen von Kopf, Körper und Kalender und irgendwie kriege ich am Ende immer alle Aufgaben und Verpflichtungen unter einen Hut. Trotzdem beginnt sich in den freien Minuten dieser Gedanke einzuschleichen: Geht das jetzt ewig so weiter?

Seit ich Texterin bin, habe ich immer viel gearbeitet. Das liegt natürlich zum einen an den Rahmenbedingungen des Berufs. Zum anderen bringen mich meine Aufgaben auch meinem Ziel ein Stück näher, dank meiner Kreativität mein Potential auszuschöpfen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich brauche die Beschäftigung. Ich brauche ständig neue Projekte, in die ich mich vertiefen kann. Der Preis dafür ist klar: Das Leben rennt oftmals an mir vorbei, während ich damit beschäftigt bin, meine Ziele zu verfolgen.

Es gibt Tage, an denen wünsche ich mir die Leichtigkeit meiner frühen Zwanziger zurück, in denen ich zwar von Unsicherheiten geplagt, aber auch ein ganzes Stück freier war. Alle Optionen waren offen. Nichts war entschieden. Nun kristallisiert sich heraus, wer Familienmensch, Hausbauer oder Freigeist wird. So ziemlich jeder in meinem näheren Umfeld arbeitet sich den Allerwertesten ab, um sich den persönlichen Platz an der Sonne zu erkämpfen. Mir selbst geht’s da nicht anders.

Man könnte sagen, die Rush Hour des Lebens hat uns alle kalt erwischt. Zwar war mir klar, dass jeder Erfolg – wobei Erfolg natürlich etwas extrem Subjektives ist – stets das Ergebnis von reichlich Arbeit ist. Was man sich auch vornimmt, irgendetwas wird immer hinten runterfallen. Ich hätte mir allerdings nie träumen lassen, wie hektisch das Ganze doch werden würde.

Ist das Stress oder kann das weg?

Die Balance zu halten, das ist der Trick. Doch das ist oft leichter gesagt als getan. In meinem Fall geht es nur, wenn ich klare Prioritäten setze und mir nur da Stress mache, wo es für mich sinnvoll ist.

Denn für mich gibt es sehr unterschiedliche Arten von Stress. Da ist zum einen der Stress, den ich beim Schreiben und Gestalten empfinde. Zwar reibe ich mich nach meine regulären Arbeitszeit oft bis in die Nacht für meine Projekte auf, empfinde dies aber selten als belastend. Hier gelange ich sehr schnell in den Flow und gleite in einen Bereich, in dem die Realität verblasst und sich mit bunter Fiktion vermischt. In dieser Zwischenwelt habe ich mich von jeher mehr zuhause gefühlt als in der Realität. Der Stress fühlt sich also weniger wie Stress an, sondern mehr wie ein Nach-Hause-kommen. Der andere Stress ist der, dem ich ausgesetzt werde, sobald es um Dinge geht, in denen ich mich nicht zuhause fühle. Das kann ein überfälliger Arzttermin sein, aber auch mein Brotjob. Sobald ich das Gefühl habe, keinen Handlungsspielraum mehr zu haben, sondern lediglich einer Rennbahn zu folgen, wird es schwierig.

Wenn ich ehrlich bin, ist hier vor allem überbordender Perfektionismus der große Stressmacher. Ich will auf allen Hochzeiten tanzen, alle Termine wahrnehmen, alle Aufgaben nicht nur nebenbei, sondern eben perfekt erledigen. Das geht nur eben oft einfach nicht. Das wird mir jetzt, da ich diese Worte schreibe, wieder einmal klar.

Du kannst nicht immer alles sein

Vergangene Woche habe ich an einem Online-Seminar teilgenommen, in dem es um das Konzept der eigenen Autoren-Plattform ging. Soll heißen: Wofür stehe ich als AutorIn und wie mache ich daraus ein Marketingkonzept?

Eine der ersten Aufgaben dieses Seminars war, die eigenen Charakterzüge zu betrachten und sich 3 bis 5 einzigartige Merkmale herauszupicken. Weil mir das schwer fiel, habe ich einige Freunde gefragt, wie sie mich beschreiben würde. Das Ergebnis deckte sich zwar mit meiner eigenen Einschätzung, war aber auch ernüchternd. Keiner schrieb, ich sei lustig, aufbrausend, temperamentvoll oder selbstbewusst. Stattdessen las ich Worte wie eloquent, intelligent, detail-verliebt oder emphatisch. Alles gute und liebenswerte Eigenschaften. Trotzdem spürte ich einen kleinen Stich in meinem Inneren. Ein Teil von mir hat immer davon geträumt, laut und aufbrausend, lustig und aufregend zu sein, weil ich es liebe, Menschen zu unterhalten.

Da wurde mir klar: Man kann nicht immer alles sein. Zwar kann ich hin und wieder lustig sein, aber eben nicht die ganze Zeit. Genauso wenig, wie ich jede Aufgabe zu jeder Zeit mit 100% Einsatz erledigen kann. Ich bin nur ein Mensch und der Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Und das ist total okay.

Es geht weiter, Stein für Stein

Wie Kaz Brekker in »Das Lied der Krähen« mache ich also einfach weiter und räume einen Stein nach dem nächsten aus dem Weg. Da Nachdenken meine große Passion ist, wird es immer wieder dazu kommen, dass ich meinen Lebensweg in Frage stelle, auch wenn ich gerade nicht in der Lage bin, viel daran zu ändern. Diese Zeiten des Zweifels, wie ich sie zuletzt durchlebe, sind eine gute Möglichkeit, mal den Kompass rauszuholen und zu überprüfen, wo ich stehe und wohin ich unterwegs bin.

Denn auch, wenn es sich oft unmöglich anfühlt, ist da noch Raum zu Navigieren. Ich kann den Kurs wechseln, wenn ich will, und dabei alle Stürme überstehen. Alles ist gut, solange ich nur die Segel setze.


Bildquelle: Scott Webb via Unsplash.com

  1. Jul 16, 2018 3:29 pm

    》Kostet die Rush Hour des Lebens eigentlich Maut-Gebühren?《
    Ich glaube, das wird mein heutiger Lieblingssatz. Wenn nicht gar der Lieblingssatz meiner Woche.

    Ich hoffe, du navigierst dich gut durch diese Zeit. Und ich bin gespannt, was in der nächsten Zeit, also der nach dieser, dann so aus Blog und Buchprojekten wird.

    Liebe Grüße,
    Kira

    • Jul 16, 2018 6:03 pm

      @Kira

      Hi Kira,

      vielen Dank für deinen Zuspruch. ☺️ Und es freut mich natürlich riesig, wenn das, was ich so schreibe, dir im Kopf bleibt. Dafür lebt man als AutorIn ja. 😁

      Ich bin auch sehr gespannt, wie es in Zukunft weitergeht. Ich freue mich so sehr darauf, die ganzen Ideen in meinem Kopf mit dir und der restlichen Welt zu teilen, dass es mir schwer fällt, Geduld zu haben. Aber eins nach dem anderen. Eins nach dem anderen. *ooohhhmmmmmmmm*

      Vele Grüße
      Rina

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