Mein Leben: Der zweite Entwurf

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Einige haben es wahrscheinlich schon über den Blog oder soziale Medien mitbekommen: Mein berufliches Arrangement, über das ich im Beitrag »Neustart mit Autorenleben« im Januar erzählt habe, ist zum Ende des ersten Quartals in sich zusammengefallen.  Jetzt ist eine kleine Weile vergangen und ich verspüre das Bedürfnis, noch eine Art Nachsorge zu machen. Ich will eigentlich gar nicht viele Worte über das Warum verlieren. Es war eine Mischung aus schlechtem Timing und einer Portion Pech. Natürlich ist es keine schöne Sache, noch in der Probezeit gekündigt zu werden, aber immerhin weiß ich, dass es nicht an mir lag. Es kamen einfach Faktoren zusammen, dank denen sich mein Plan innerhalb weniger Wochen als unbrauchbar herausstellte.

So stehe ich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres an einem Anfang und muss mir überlegen, wie es jetzt weitergeht.  Zugegeben, die ersten Tage, nachdem die Kündigung ausgesprochen worden war, geisterte ich gedankenverloren durch die Gegend. Ein ausgiebiges »Fuck, fuck, fuck« wurde abgelöst von einem »Scheiße, was machst du jetzt?«. Zum Glück brauchte es einfach nur ein wenige Zeit, damit mein Verstand die neuen Tatsachen verarbeitet hatte und sich wieder an die Arbeit machte. Denn eigentlich wusste die die Antwort schon die ganze Zeit.

Ein Traum von Selbstständigkeit

In der Kreativbranche ist es nicht unüblich, sich irgendwann selbstständig zu machen. Auch ich denke bereits seit Jahren darüber nach, ob ich diesen Schritt wagen soll. Wieder und wieder malte ich mir aus, wie mein Leben sein würde. Der Gedanke, selbstbestimmt über meine Zeit verfügen zu können, versetzte mich in Aufregung. Eines Tages, das schwor ich mir, wollte ich es ausprobieren.

Als ich dann zum Ende 2018 meine Vollzeit-Stelle aufgab, war die Selbstständigkeit tätsächlich sogar mein Plan A. Doch dann kam ein Angebot für eine Teilzeit-Stelle meines Weges und ich beschloss, meinen Traum noch ein wenig länger aufzuschieben. Immerhin lagen die Vorteile einer festen Anstellung klar auf der Hand. Außerdem konnte ich meine Sorgen beiseite schieben, denn obwohl ich von einem Leben als Freiberuflerin träumte, war ich mir alles andere als sicher, ob ich es schaffen oder mit den Risiken klarkommen würde.

Und dann zerbröselte der Keks in einer großen Staubwolke. Puff, und danach nichts mehr. Nur ein großes Loch in meiner Planung. Wie war das mit dem Leben und den Plänen? Mich schleuderten die Ereignisse zurück dahin, wo ich angefangen hatte: zu meinem Traum von der Selbstständigkeit.

Ein Sprung ins Ungewisse

Ich hatte nach der Kündigung bereits ein neues Jobangebot in Aussicht, war mir aber nicht sicher, ob ein Schritt zurück auch ein Schritt in die richtige Richtung sein würde. Tagelang starrte ich die Wände meiner Wohnung an oder unternahm Spaziergänge durch die Stadt. Mit der Zeit stiegen wieder die Traumbilder in mir auf und ich hörte diese kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüstern: »Was wäre wenn…?«

Danach war mir recht schnell klar, wohin die Reise für mich gehen sollte. Ich musste einen Schritt nach vorne machen. Oder vielmehr einen Sprung hinein ins Ungewisse. Schließlich waren meine Pläne schon komplett zum Teufel gegangen, wieviel schlimmer soll es da noch kommen?

Also machte ich mich auf den Weg und erledigte die nötigen Amtsgänge, meldete mich für ein Seminar zur Existenzgründung an und polierte die Mappe mit einem Arbeiten als Texterin auf. All das trug dazu bei, mein Vertrauen in meinen neuen Plan zu stärken. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass dies der richtige Weg für mich ist. Egal wie unsicher die Zukunft aussehen mag, nie zuvor hatte ich das Gefühl, wirkliche Kontrolle über mein eigenes Leben zu besitzen.

Der Unsicherheit entgegen

Angsichts der Tatsache, dass ich über Jahrzehnte nur in der Sicherheit eines Angestellenverhältnisses gelebt und gearbeitet habe, ist es merkwürdig, wie viel sicherer mir der Weg in die Selbstständigkeit erscheint. Das hat vermutlich weniger mit der finanziellen Sicherheit, als vielmehr mit Selbstsicherheit zu tun. Die Möglichkeit, meine Zeit selbst einteilen und meine Aufgaben selbst wählen zu können, haben für mich einen größeren Stellenwert als ein dicker Gehaltscheck. Indem ich mir diese Freiheit nehme, erlange ich die Kontrolle über mein Leben zurück.

Zu behaupten, ich würde mir keine Sorgen über diesen zweiten Entwurf meines Lebens machen, wäre allerdings gelogen. Ich google kontinuierlich nach Informationen was Versicherungen, Rente, Abgaben, Steuern und den ganze Käse betrifft. Es gibt Augenblicke, da fühlt es sich wie die Besteigung des Mount Everest an. Zu wissen, dass es schon andere vor mir geschafft haben, ist dann ein großer Trost. Also zerteile ich die große Tour zum Gipfel in so viele kleine Etappen wie möglich.

Und dann ist da noch die Sache mit der Reue. Einer der Hauptgründe, warum ich nicht dahin zurückgegangen bin, wo ich hergekommen bin, wäre die Reue, die ich in ein paar Jahren sicherlich empfinden würde. Immerhin gehe ich als Freiberuflerin ein verhältlismäßig geringes Risiko ein. Ich muss keine Gesellschaft gründen, Kapital einlegen, ein Produkt entwickeln, usw. Ich habe mich, mein Hirn und meinen Ehrgeiz. Wenn ich damit keinen Weg finde, dann weiß ich auch nicht mehr. Und selbst wenn nicht, ich habe es versucht und kann aufhören mich zu fragen: »Was wäre, wenn…«

Deswegen mache ich mich jetzt wieder an die Arbeit und versuche die nötige Routine zu entwickeln, die ich in der kommenden Zeit brauchen werde. Bis dahin, ihr Lieben!


Bildquelle: Craig Whitehead via Unsplash.com, bearbeitet von Katharina Jach.

  1. Apr 22, 2019 3:55 am

    Hallo Katharina,
    Ich habe eben deinen Blog entdeckt und finde deine Beiträge sehr interessant! Denn was du gerade durchmachst, beschäftigt mich auch im Moment. Nur einen Monat zuvor habe ich die schwere Entscheidung getroffen mein langjähriges Studium hinzuschmeißen, um mich stattdessen mit Minijobs durchzuschlagen und nebenbei meine kreative Karriere als Autorin und Webdesignerin zu starten. 😀
    Ich weiß daher, dass sowas keine einfache Entscheidung ist und kenne das Gefühl der Unsicherheit zu gut. Es ist stark von dir, dass du dich traust deinen Träumen zu folgen! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf diesem Weg und bin gespannt auf deine nächsten Updates. 🙂
    LG, Aurora von Traumzauberwelten

    • Apr 25, 2019 2:18 pm

      @Aurora

      Hallo Aurora,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Worte bestärken mich in dem Glauben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. 🙂
      Dir übrigens auch ein “Hut ab!” wegen des Studiums. Auch das ist eine sehr schwerwiegende Entscheidung und ich wünsche dir ganz viel Erfolg für den Weg, den du beschreiten möchtest. Mit ein bisschen Glück und Zuversicht wird das schon!

      LG
      Rina

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