Projekt-Update 3: Noch einmal mit Gefühl

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Der April ist schon fast vorbei und trotz meines Vorhabens, mich wieder mehr auf das Schreiben zu konzentrieren, blieb ich in diesem Monat hinter meinen Erwartungen zurück. Eigentlich wollte ich inzwischen mit der »Chronik der Herzlosen« so gut wie fertig sein. Zum jetztigen Zeitpunkt habe ich gerade über die Mittellinie geschafft und hänge mächtig in den Seilen. Und bis dahin hatte ich ein ziemliches Tief zu überwinden. Warum, wieso, weshalb, darum geht es im heutigen Update.

Endlich Zeit für die großen Gefühle

In der dritten Geschichte spielt Chaucer, ein Dichter, die Hauptrolle, den ich mit voller Absicht nach dem englischen Dichter Geoffrey Chaucer benannt habe. Als ich anfing, diese Figur zu entwickeln, war ich mehr als nur ein bisschen vernarrt in ihn und konnte es kaum erwarten, seine Geschichte zu erzählen. Er hat Humor, ist vverspielt, selbstironisch und lebensfroh. Und er ist eine der wenigen Figuren, bei denen es um die großen Gefühle geht, nämlich um Liebe, Ehrgeiz, Gier und Eifersucht. Seine Geschichte sollte ein wahres Liebesdrama werden. Etwas, dass zu schreiben ist mir nur sehr selten gestatte, doch in seinem Fall ging ich mit viel Zuversicht ans Werk. Außerdem freute ich mich darauf, endlich eine Story mit einer kreativen Figur im Zentrum zu erzählen.

Wenn es nach meinem naiven Januar-Ich gegangen wäre, hätte es eigentlich keine Probleme geben dürfen. Eigentlich. Schon in der zweiten von insgesamt acht Szenen wurden die Absätze holpriger und zusammenhangsloser. Der rote Faden wollte sich nicht so recht blicken lassen. Nun habe ich eine Geschichte, die knapp 4.000 Worte länger ist, als ich es geplant hatte, und mindestens eine lange Sequenz beinhaltet, die ersatzlos rausfliegen wird. Am Ende der Geschichte hätte ich erleichtert sein sollen. In Wahrheit bin ich erschöpft und frustriert. Zu wissen, wie viel Arbeit in der Überarbeitung auf mit zukommen wird, macht mir nicht nur ein schlechtes Gewissen; Es droht, mich in eine echte Schreibblockade hineinzumanövieren.

Der innere Kritiker schlägt zurück

Mein Enthusiasmus beim Plotten der Story hätte mir eine Warnung sein sollen. Zwar floßen die ersten 8.000 Worte vergleichsweise schnell ins Manuskript, doch ich hier öfter als sonst inne und verteufelte mich und meinen begrenzten Wortschatz. Nach etwa der Hälfte des Textes war ich überzeugt davon, dass Fünftklässler einen besseren Schreibstil haben als ich. Verdammter Mist, was mache ich denn jetzt?

Danach riss meine Schreibroutine für ein paar Tage ab. Selbst der Beginn des Camp NaNoWriMo im April hat nicht dazu beigetragen, meine Motivation anzustacheln. Dann kam die Postproduktion für die elfte Folge von »Hell Yeah Hell No« dazwischen. Als die neue Episode endlich fertig war, scheute ich mich, zurück an meinen Text zu gehen. Es war mir ein Rätsel, wie eine Geschichte, auf die ich mich so sehr gefreut hatte, zu einem solchen Problem ausarten konnte.

Zu hohe Erwartungen sabotieren jede Story

Inzwischen habe ich eine ganz gute Idee davon, warum Chaucers Geschichte für mich in ein solches Schreibdebakel ausgeartet ist. Alles eine Frage von Erwartungsmanagement. Als ich mich Anfang des Jahres daran machte, die Geschichten von Lioness und Cerise aufzuschreiben, war ich in einer gelösten Was-kann-schon-schiefgehen-Stimmung. Ich spürte wenig Druck beim Schreiben, sondern ließ die Worte fließen. Ich genoss die überraschenden Wendungen der Handlung und wunderte mich, wie alles perfekt und ohne Mühe zusammenzupassen schien.

Bei Chaucers Geschichte war es anders. Ich hatte die Figuren und die Handlung in meinem Kopf zu solcher Glorie aufgeblasen, dass kein Wort meiner Vision gerecht wurde. Ich hatte schlicht und ergreifend zu hohe Erwartungen an den Text und meine Fähigkeit ihn zu schreiben. Allein dadurch fühlte sich jedes Ringen um Worte wie eine Niederlage an. Per se wird der Text wohl nicht weniger gut oder schlecht sein, als seine beiden Vorgänger, doch mein Gefühl beim Schreiben ist ein grundlegend anderes. Mit meinen überhöhten Erwartungen habe ich mich selbst sabotiert.

Alles auf Anfang. Auf zur nächsten Story.

Zum Glück wird niemand diese Rohfassung jemals zu Gesicht bekommen. Außer meinem Zukunfts-Ich, versteht sich. Denn um am langen Wochenende mit der vierten Story aus der »Chronik der Herzlosen« starten zu können, muss ich mich gedanklich ausbalancieren. Ich muss zurückkehren in einen Zustand, in der Erfolg und Versagen zwei gleichwertige, legitime Optionen sind oder ich werde mich auch durch die nächste Geschichte quälen. Und das ist nun wirklich das Letzte, was ich will.

Mal sehen, ob mir das gelingen wird. In der Zwischenzeit lenke ich mich der Vorbereitung neuer Blogposts ab, während die Geschichte in meinem Unterbewusstsein wächst und gedeiht. Denn auch das habe im April gelernt: Es gibt einfach Stories, die kann man erst schreiben, wenn es an der Zeit ist. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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