Projekt-Update 2: Große Fortschritte dank Schreibnacht

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Das Manuskript wächst mit jedem Tag. Vor zwei Wochen habe ich die vorerst letzten Worte unter die zweite Geschichte mit dem Titel »Lady Gnadenlos« getippt. Ich bin erleichtert und fürs Erste einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis, aber das Erlebnis beim Schreiben war durchwachsen bis deprimierend – und hier sind die Gründe.

Streckenrekord bei der Schreibnacht

Ich habe die 48. Schreibnacht zum Anlass genommen, bei der zweiten Geschichte aus der »Chronik der Herzlosen« richtig Strecke zu machen. Obwohl sie an einem Freitag stattfand und ich gleich nach Dienstschluss wieder in die Schreibarbeit eintauchen musste, konnte ich in dieser einen Nacht ganze 3.000 Worte zum Manuskript hinzufügen. Als ich um 1 Uhr morgens ins Bett ging, war ich euphorisch und begierig darauf, am nächsten Tag weiterzumachen. Ich hatte mich in wahrhaftes Wohlgefühl hineingeschrieben.Wahrscheinlich kennt jeder Autor und jede Autorin diese Hochphasen, in denen man mit der eigenen Arbeit überaus zufrieden ist. Diese Phasen muss es auch geben, weil sie das Durchhaltevermögen stärken. Diese Euphorie kann aber meiner höchst persönlichen Erfahrung nach sehr trügerisch sein.

Kräfte wollen eingeteilt werden

Es heißt ja so schön: Wer erfolgreich schreiben will, der solle es am besten jeden Tag tun. So weit, so gut. Doch genau so, wie man beim Sport Ruhephasen braucht, sollte man auch beim Schreiben die eigenen Kräfte gut einteilen. Das habe ich spätestens nach der Schreibnacht wieder einmal gemerkt, denn in den Tagen danach wurden die Kapitel mehr und mehr zu Qual. So schnell und hoch wie ich in der Schreibnacht geflogen bin, stürzte sich ab und fand mich in jener Phase wieder, die im Englischen gerne als mid-way slump bezeichnet wird.

Was sagt mir das? Die Kraft zum Schreiben ist endlich und muss sehr gut eingeteilt werden, vermeintlichen Hochphasen zum Trotz. Wer sich an einem Abend zu sehr verausgabt, dem bleibt am Tag darauf keine Energie mehr – und damit ist dann auch nichts gewonnen. Ich muss seitdem sehr sorgfältig vorgehen, da ich sonst Gefahr laufe, mich zu überanstrengen und mich damit aus der Euphorie in die Handlungsunfähigkeit zu Schreiben.

Deswegen habe ich mir Anfang Februar erstmal eine Auszeit vom Schreiben verordnet. Stattdessen habe ich ein wenig in Photoshop oder Illustrator herumgespielt und dabei ein paar visuelle Materialien für »Die Chronik der Herzlosen« erarbeitet. Ich nenne es einfach mal positiv Prokrastination. Ich habe zwar nicht geschrieben, aber ich habe anderweitig am Projekt weitergearbeitet.

Zwei Fünftel sind geschafft

Inzwischen ist die Geschichte »Lady Gnadenlos« fertig. Zum Glück. Gerade gegen Mitte der Geschichte war es eine überaus zähe Angelegenheit und ich hatte Mühe, meinen eigenen Frust nicht mit in den Text einfließen zu lassen (die Protagonistin Cerise hatte mehr als genug Grund, frustriert zu sein). Was mich bis zum Ende hat durchhalten lassen, war meine Begeisterung für die Idee hinter der Geschichte. In »Lady Gnadenlos« habe ich versucht, eine Kreuzung von Orange Is The New Black und Fantasy hinzulegen, was mir wiederum die Gelegenheit zu vielen herrlichen bösen Dialogen gab. Ob dieses Experiment aber wirklich erfolgreich war, werde ich im Mai bei der Überarbeitung feststellen. In diesem Augenblick habe ich das Gefühl, dass ich bei der Revision wieder all dem Frust begegnen werde, den ich beim Schreiben empfunden habe, um ihn dann endgültig aus dem Manuskript zu entfernen.

Die dritte Story steht auch schon in den Startlöchern. Trotzdem habe ich mich entschlossen, mir bis zum Ende der Woche noch ein wenig Ruhe zu gönnen, ehe ich weitermache, denn am Sonntag steht eine neue Folge HELL YEAH HELL NO auf dem Plan. Dieses Mal bin ich wieder für den Schnitt zuständig, was mich neuerdings vom Schreiben abhalten wird. Aber das ist okay. Der Podcast ist ein Herzensprojekt. Und danach ist auch wieder neue Kraft da, um durch die Geschichte von Chaucer zu fliegen.

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