Projekt-Update 5: Die Rohfassung und andere Meilensteine

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Im Juni 2018 habe ich das letzte große Update zur Arbeit an meinem Roman »Die Chronik der Herzlosen« gepostet. Damals war ich sehr zuversichtlich, dass ich die letzte der fünf Stories und damit die Rohfassung des Buches im Sommer abschließen würde. Wie aber so oft im Leben funkte mir selbiges gewaltig dazwischen. Im Nachhinein kann ich gar nicht mehr genau benennen, womit ich meine Zeit verbrachte. Ich war überwältigt von meiner eigenen To-Do-Liste und verlor die Arbeit am Roman für eine Weile aus den Augen. Als ich im September endlich die Chance hatte, sie wieder aufzunehmen, überkam mich eine gewaltige Schreibblockade. Und so gingen die Tage ins Land, wurden zur Wochen und schließlich zu Monaten. Erst nach einer großen Kraftanstrengungen kam ich wieder in die Spur und kann damit heute endlich feiern, was ich schon im Sommer feiern wollte: den Abschluss der Rohfassung!

Das letzte Fünftel und das längste.

Mit insgesamt 50 Kapiteln und 97.211 Wörtern ist das Buch um einiges umfangreicher geworden, als ich am Anfang gedacht habe. Schuld daran ist vor allem Rhennons Geschichte, die letzte der fünf Stories, die in der »Chronik« zusammengefasst sind. Während ich die ersten Kapitel schrieb, ging ich noch davon aus, schnell durch die verschiedenen Etappen meiner 7-Punkte-Struktur eilen zu können, wie es mir bei den anderen Stories gelungen ist – bis sich den Mittelteil erreichte. Hier hatte ich einen fatalen Fehler begangen: Ich hatte ihn nicht gut genug durchdacht und in der Outline auch nur mit wenigen Punkten geplant, so dass ich schnell merkte, dass hier einige Elemente nicht besonders gut ineinandergriffen. Diese bittere Erkenntnis verursachte eine ziemliche Schreibblockade, denn ich wusste nicht so recht, was ich ändern musste, um der Handlung den nötigen Schubser in die richtige Richtung zu geben. Ich ließ das Dokument viele Tage links liegen und stürzte mich in verschiedene Ablenkungen, in der Hoffnung, dass mich irgendwann der Geistesblitz trifft.

Der besagte Blitz kam dann nach über einem Monat. Ein kleiner Trost. Aber damit stolperte ich auf den nächsten Akt der Selbstsabotage. Durch die lange Pause vom Schreiben fiel es mir schwer, wieder in meiner Routine hineinzufinden und die nächsten Kapitel in Angriff zu nehmen. Über Wochen schlich ich um Scrivener herum, rang mir ein paar Absätze ab und schloss das Dokument dann wieder. Meist ging ich mit ziemlichem Frust im Bauch zu Bett. So gut mein Einfall zur Lösung meines Plotproblems war, bedeutete diese Änderung an der Outline eine Menge Arbeit und ich war mir nicht sicher, ob ich in der Lage sein würde, die Geschichte zu erzählen. Obwohl ich wusste, das solche Selbstzweifel die Ursache vieler Schreibblockaden sind und ich sie ablegen müsste, um mich wieder auf das Manuskript konzentrieren zu können, schaffte ich es nicht.

Alles Leben schlägt sich im Schreiben nieder.

Diese Schreibblockade überschnitt sich mit einer Lebensphase, in der mich meine Arbeit in der Agentur besonders forderte und ich mir nicht sicher war, womit ich meine Zukunft verbringen wollte. Es ist also kein Wunder, dass der Zweifel, den ich in beruflicher Sicht mit mir herumtrug, auch auf mein Schreiben abfärbte. Erst als ich im September die Entscheidung traf, kürzer zu treten und meine Kräfte in neue Bahnen zu lenken, war der Tiefpunkt des Jahres überwunden. Von da an ging es stetig bergan, so dass ich im November die nötige Stamina aufgebaut hatte, um am National Novel Writing Month (NaNoWriMo) teilzunehmen.

Ich nahm mir vor, im November die fehlenden Szenen endlich aufzuschreiben und die Rohfassung abschließen, komme, was da wolle. Und zu weiten Teilen gelang mir das auch. Bis auf eine Szene konnte ich Rhennons Geschichte abschließen und den Epilog runterschreiben, der seinerseits fast 10.000 Worte lang wurde. Außerdem habe ich hier und da noch einige der vorherigen Abschnitte mit neuen Szene unterfüttert, was sich ebenfalls gut anfühlte. So war der NaNoWriMo für mich ein voller Erfolg. Dass diese letzte geplante Szene dann in vier ganze Kapitel ausarten würde (weil ich sonst nicht alle relevanten Informationen unterbekommen hätte), konnte ja niemand ahnen. Haha.

Das Ende und der Anfang der nächsten Etappe.

Und so habe ich mich Anfang Dezember ein wenig am Riemen gerissen und auch diesen allerletzten Abschnitt geschrieben. Er ist nicht elegant, er ist nicht schön und vielleicht noch nicht ganz schlüssig. Aber er ist da! Soll heißen: Einer der größten Meilensteine auf dem Weg zur Veröffentlichung ist geschafft. Die Rohfassung steht und ich kann mich mit dem Beginn des neuen Jahrs voll und ganz auf die Überarbeitung konzentrieren. Denn – oh boy!  da gibt’s echt einiges zu berichtigen. Angefangen bei den Namen von Figuren, die ich auf halbem Weg geändert habe, bis hin zu einigen Wendungen in der Handlung, die sich bei eingehender Betrachtung als kompletter Humbug entpuppen.

Aber ich habe große Hoffnung. Zum ersten Mal seit eigentlich immer möchte ich mich nicht selbst Geißeln, wenn ich Textabschnitte aus der Rohfassung lese. Klar, sie sind nicht perfekt und einige Formulierungen sollte ich mir noch einmal genauer überlegen (Bei mir wird immer viel “gesehen” und “geblickt”, ohne dass etwas passiert), aber die Substanz gefällt mir. Mit ein wenig mehr Arbeit kann man sie zum Strahlen bringen.

Ich danke allen, die mich bis hierher begleitet habe. Das Feedback, dass ich im Laufe der letzten Monate auf Twitter, Instagram und im realen Leben erhalten habe, war nicht nur Balsam für meine Seele, sondern hat mir auch geholfen, das Ziel nicht ganz und gar aus den Augen zu verlieren. Zu wissen, dass so viele Menschen mir Erfolg und Glück wünschen, hat mich motiviert, auch dann weiterzumachen, wenn ich eigentlich keine Lust hatte, auch nur ein Wort zu schreiben. Nun nutze ich diesen Aufwind und plane die nächsten Schritte. Immerhin habe ich noch einen langen Weg vor mir – und ich will nicht erst wieder nach sieben Monaten ein Update schreiben müssen. *g*

Also: Bis ganz bald und frohe Festtage für euch!
Wir lesen uns im Januar wieder.

  1. Dez 22, 2018 9:54 pm

    Schön zu lesen, dass du dich von der Blockade lösen und die Rohfassung beenden konntest! Gerade, wenn man nicht Vollzeit am Manuskript arbeiten kann (so wie ich), macht das Mut. Wünsche dir ganz viel Kraft für die Überarbeitung und freue mich auf das Resultat! Ich glaube an dich <3

  2. Dez 23, 2018 2:19 pm

    Hey Steffi,
    danke für deine lieben Worte. ❤️ Die Sache mit den Schreibblockaden kennt wahrscheinlich jede*r Autor*in. Leider braucht jedes für fast jede Blockade ein eigenes Rezept. Im Nachhinein fühlte sie sich natürlich gar nicht so schlimm an, aber mittendrin war’s teilweise echt die Hölle. Vor allem, wenn man wie du (und ich damals auch) nur wenig Zeit fürs Manuskript hat. Umso froher bin ich, im Januar mehr Zeit zu haben. Ich hoffe, dir wird das Ergebnis meiner Mühen gefallen. ☺️

    Lieben Gruß
    Rina

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